Giesing - das vergessene Viertel?

Entwurf für besseren Radlverkehr vergisst Vielzahl von Maßnahmen in den Bezirken 17 und 18 - Umweltreferat ignoriert Belastung der Giesinger*innen durch Lärm und Gift des Autoverkehrs

Seitdem die Grünen in München nicht mehr in der Regierungsverwantwortung sind, entspricht die die Planung des Fahrradverkehrs durch die Landeshauptstadt nicht mehr ansatzweise den Ansprüchen, die mit der Verwendung des Titels "Radlhauptstadt" einhergehen. Jüngstes Beispiel für die Bedeutungslosigkeit des Radverkehrs im Allgemeinen und in Giesing im Speziellen ist der Ende September veröffentlichte Entwurf für einen Grundsatzbeschluss zur Förderung des Radverkehrs in München. Darin sind für den Bezirk 17 (Obergiesing-Fasangarten) keine und für den Bezirk 18 (Untergiesing-Harlaching) eine einzige Maßnahme aufgeführt. Dies ist umso unverständlicher, als es in beiden Bezirken eine Reihe von Verbesserungen gibt, die entweder von den jeweiligen Bezirksausschüssen oder den jeweiligen Bürgerversammlungen beschlossen wurden und somit der Stadt vorliegen.

Im 18er gehören hierzu bspw. die von der MVG zugesagten Mietrad-Stationen am Wettersteinplatz, am St. Quirin-Platz und am Tierpark sowie der (auf Antrag der grünen Fraktion im BA) von der Stadt zugesagte massive Ausbau der Fahrradständer an vier U-Bahn-Stationen im Viertel. Im Gebiet des 17er Bezirks fehlt v.a. der promiment diskutierte Beschluss zum Bau einer Brücke über den Giesinger Berg, aber auch so zentrale Anforderungen wie der Fußgänger*innen- und Radl-freundliche Ausbau der Regerbrücke oder die Nord-Süd-Querung für Radl über den Tegernseer Platz.

Diese Nichtbeachtung wäre für Giesing für sich alleine genommen schon ärgerlich genug. Noch alarmierender ist für unseren Stadtteil - der sowohl die Orte mit der höchsten Lärmbelastung und auch diejenigen mit der schlechtesten Luftqualität in ganz München einschließt - jedoch die Stellungnahme des Umweltreferats: Diese lässt darauf schließen, dass das Umweltreferat den vom Bürgerbegehren "Sauba sog i" übernommenen Stadtratsbeschluss, bis zum Jahr 2025 den Anteil abgasfreier Kraftfahrzeuge auf mindestens 80 Prozent des Verkehrs auf Münchner Stadtgebiet zu erhöhen, nicht kennt oder nicht kennen will. Anders lassen sich die vorgeschlagenen Ergänzungen nicht erklären, welche im Grundtenor sagen: Radlverkehr ja, aber nur solange den Autos nichts weggenommen wird. Eine derart zaghafte und mutlose Verkehrspolitik wird weder den Mobilitäsbedürfnissen noch den Ansprüchen auf saubere Luft der Bürger*innen in unserem Viertel gerecht.

Montag, 18. Dezember 2017
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